Makro-Fotografie

Laut DIN 19040 handelt es sich um eine Makro-Aufnahme, wenn der Abbildungsmaßstab zwischen 1:10 und 10:1 liegt.
Die ist natürlich ein völlig willkürlicher Wert, was ist mit einem Wert von 1:11 oder 11:1?
Für mich beginnt „echte“ Makro-Fotografie erst ab einem Maßstab von ca. 1:1, wenn das Objekt also in seiner tatsächlichen Größe auf dem Sensor abgebildet wird. Geringere Abbildungsmaßstäbe würde ich eher als Nahfotografie bezeichnen.

Welche Möglichkeiten hat man, den Abbildungsmaßstab zu vergrößern?

Spezielle Makro-Objektive sind vergleichsweise teuer und bieten meist keinen Abbildungsmaßstab, der größer als 1:1 ist.
Die einfachste und kostengünstigste Lösung besteht darin, eine zusätzliche Linse vor das Objektiv zu schrauben. Es gibt diese Vorsatzlupen, die in das Filtergewinde geschraubt werden, in den Stärken von +2 bis +10 Dioptrien (=Kehrwert der in Meter ausgedrückten Brennweite). Über den Faktor 4 sollte man aber nicht gehen, da die Randunschärfe stark zunimmt.
Ein entscheidender Vorteil der Nahlinsen ist, dass kein Lichtverlust entsteht und dass Belichtungsmessung und Autofokus weiterhin funktionieren.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, Distanzringe zwischen Kamera und Objektiv zu schrauben. Bei den luxuriöseren Varianten bleibt die Kamera-Automatik erhalten, bei den preiswerten ist man auf manuelle Bedienung angewiesen. Will man den Maßstab stufenlos verändern, empfiehlt sich ein Balgenauszug. Soll die Kamerasteuerung an das Objektiv weitergegeben werden, wird´s dann aber schon recht teuer.
Der Nachteil bei beiden ist, dass viel Licht verloren geht.

Eine kostengünstige Lösung, die trotzdem sehr gute Ergebnisse liefert, ist es, ein normales Objektiv umgekehrt an der Kamera zu befestigen. Dazu gibt es sog. Retroadapter, die auf der einen Seite das Kamera-Bajonett und auf der anderen ein Filtergewinde besitzen.
Bei der Brennweite gilt: je kürzer, desto größer der Abbildungsmaßstab.                                                      Retroadapter

Retroadapter
35 mm ca. 1:1
20 mm ca. 3:1
18 mm ca. 4:1

Selbst einfache Kitobjektive liefern erstaunlich gute Ergebnisse.

Durch die Umkehrstellung des Objektivs ergibt sich die Tatsache, dass alle Einstellungen manuell vorgenommen werden müssen. Meines Wissens gibt von der Fa. Novoflex nur für Canon einen automatischen Retroadapter, der allerdings auch mehrere hundert Euro kostet.

Eine Fokussierung ist nur noch durch das Verschieben von Objekt oder Kamera möglich, wobei ein Einstellschlitten nützlich ist.
Das größte Problem stellt aber die Blendeneinstellung dar, da die Objektive keinen Einstellring besitzen.
Bei meinem Sony-Objektiv schließt die Blende komplett im ausgebauten Zustand und somit auch in der Retrostellung.
Geholfen habe ich mir mit einem manipulierten Objektivdeckel. Näheres dazu in der Do-it-yourself-Abteilung.

Kamera mit Objektiv in Retrostellung
Kamera mit Kitobjektiv in Retrostellung,davor geänderter Objektivdeckel zur Blendeneinstellung

 

Siehe auch meinen Beitrag StackMachine und CombineZP.

Erstellt von Thomas Becker © 2017